Kranken-Unterstützungs- und Fachverein der Maurer München-Au
gegründet 1606
Von Dieter Thomas, Vereins-Vorsitzender (2004)
Wenn man die Stadt- und Vereinschroniken bis zum Mittelalter zurückverfolgt, so kann man ersehen, dass sich die damaligen Handwerker zu Zünften zusammenschlossen, um ihre Interessen zu wahren. Dies taten auch die Maurer und Zimmerleute, die damals außerhalb der Stadtmauern Münchens, in der Au, wohnten, weil Handwerkern das Wohnen in der Stadt München verwehrt war. Später, um 1606, gingen die Berufszweige getrennte Wege.
Es vereinigten sich aber die Maurer und Zimmerer von der Au mit dem Münchner Bürgertum und den Oberländer Bauern, um sich in der Christnacht des Jahres 1705 von der Österreichischen Blutherrschaft, worunter gerade München zu leiden hatte, zu befreien. Durch Verrat ging diese Sendlinger Bauernschlacht verloren und viele der ehemaligen Zunftgenossen mussten ihr Leben geben.
Ein Bild von Lindenschmid am alten Sendlinger Kirchlein dokumentiert dieses Drama.
Ein sich im Verein befindliches Dokument vom 29. Oktober 1729 berichtet von den Satzungen des Kranken-Unterstützungs-Vereins der Maurer ob der Au. Es sagt aus, dass der Verein bereits über hundert Jahre bestanden hatte, sich aber mehr kirchlichen als weltlichen Pflichten zugewendet hatte.
Für 36 "Maurergesöllen" und "Wittiben" verstorbener Vereinsmitglieder wurde ein sich steigernder Strafkatalog erstellt, der Anwendung fand, wenn die im Jahr angesetzten 3 Messen nicht besucht wurden.
König Max II. war ein großer Gönner des Kranken-Unterstützungs-Vereins. Er stiftete aus der königlichen Kabinettskasse jährlich 33 Gulden. Bei der Umwandlung der Währung im Jahre 1875 wurden aus der traditionellen Guldensumme 60 Mark. Dies sagt aus, dass die königliche Zuwendung bereits vor 1875 gegeben wurde. Aber auch die Wirtschaft zeigte sich dem Verein gegenüber aufgeschlossen, denn Großbrauer Kommerzienrat Georg Pschorr stiftete dem Verein jährlich 50 Mark. Diese für uns angenehme Zuwendung übernahm später Herr Kommerzienrat Thomas.
Im Jahr 1893 gibt sich der Verein Statuten mit den Regularien des Vereinslebens und des Krankengeldbezugs.
Monatlich wurden 2 Vereinsmitglieder, reihenfolglich nach ihren Buchnummern, verpflichtet, kranke Vereinskameraden zu besuchen, was bei Unterlass mit einer Mark Strafe belegt wurde. Die Besuche mussten aber trotzdem nachgeholt werden. Eine Mark Strafe musste auch jener zahlen, der einer Jahresversammlung unentschuldigt fernblieb.
Das Krankengeld war gestaffelt. Einem Kranken standen, nachdem er ein Jahr Mitglied war, 5 Mark pro Woche zu, im ersten Jahr 8 Wochen lang, im zweiten Jahr 6 Wochen und im dritten Jahr 4 Wochen lang. Die Summe des Sterbegeldes richtete sich nach der Zahl der Mitglieder; pro Vereinsmitglied wurden an die hinterbliebene Witwe 50 Pfennige ausbezahlt.
1904 beschloss der Verein, sich an Stelle der alten, teils zerschlissenen Zunftstandarte, eine fliegende Fahne anzuschaffen. Sie war weißblau, mit 3 Lilien und dem Wappen der Au bestickt.
Eine Ausrüstung für 8 Maurergesellen, bestehend aus Zylinder, Lammfellschürze, Hutschärpe mit den Jahreszahlen 1606-1706-1806, weißen Handschuhen, sowie das Handwerkszeug waren bereits vorhanden. Sie führten bei Fest-Veranstaltungen auch einen Pokal aus dem Jahr 1700 mit.
Im August 1905 fand die Fahnenweihe statt. Fahnenpate war der Zimmererverein aus der Au.
1907 zog der Verein vom Falkenhof in das Lokal Falkenwand um.
Es folgten 7 blühende Jahre, in denen der Verein wuchs und gedeihte, bis der 1. Weltkrieg ausbrach und die Mitgliedschaft enorm reduziert wurde. 17 Vereinskameraden waren aktiv am Krieg beteiligt und am Ende des Krieges hatte der Verein nur noch 34 Mitglieder.
Der Wiederaufbau unseres Krankenvereins wurde durch Inflation und Wirtschaftskriese gestört.
Erst im Jahre 1930 feierte der Verein sein 300. Gründungsfest, das einen finanziellen Gewinn von 145,72 Mark einbrachte.
Die Wirtschaftskriese, auf deren Höhepunkt 6 Millionen Arbeitslose zu verzeichnen waren, ging auch an uns nicht spurlos vorüber. Zeitweise musste die Auszahlung des Krankengeldes eingestellt werden, zumal ein angelegter Geldbetrag bei der Giesinger Konsum-Genossenschaft gesperrt wurde bzw. die Genossenschaft in Konkurs ging.
1934 wurde erwogen, das Vereinslokal zu verlegen, weil sich der neue Bierlieferant, die Münch-Brauerei, aus Feldkirchen weigerte, wie der vorherige Lieferant, die Spaten-Leist-Brauerei, dem Verein eine jährliche Zuwendung zukommen zu lassen. Für 100 Liter Bier, die bei einem Umzug in eine Spatenbräu-Wirtschaft fest versprochen waren, zog man im Jahr 1936 in die "Harmonie", die am Mariahilfplatz Nr. 33 war, um. Zusätzlich handelten unsere Verantwortlichen noch die Überlassung von je 300 Kuverts und Briefbögen, sowie 500 Postkarten aus. Selbstredend waren diese mit unserer Anschrift versehen und ersparten dem Verein eine Ausgabe von "mindestens 30 Mark".
Vernichtend war der 2. Weltkrieg. Das Gebäude des Vereinslokals wurde total zerstört und unser gesamtes Hab und Gut ging verloren. Nur der Pokal und das Dokument der 1. Satzung überstand das Desaster. Dies geschah in der Nacht vom 24. auf 25. April 1944. Das Gasthaus "Bergmeister", in der Lilienstraße 54, war am 28. Oktober 1945 Schauplatz des Treffens einiger Vereinskameraden, die den Wiederaufbau des Vereins in Angriff nahmen.
Auf einer der ersten Versammlungen, die immer noch der polizeilichen Genehmigung bedurften, fügte man unserem Namen das Wort "Fach" zu und unser Verein hieß von da an "Krankenunterstützungs- und Fachverein der Maurer München Au".
Bereits 1947, am 28. Juni, konnte eine neue Fahne der Weihe unterzogen werden. Diese fand in der Notkirche der Pfarrei München Au statt. Spenden von Gönnern und Münchner Handwerksmeistern ermöglichten es dem Verein außerdem, die traditionelle Zunfttracht neu erstellem zu lassen.
Nach der Währungsreform, am 20. Juni 1948, ging es wirtschaftlich steil bergauf. Das Wirtschaftswunder griff auch auf den Verein über, denn der Aufbau eines in Schutt und Asche liegenden München ließ das Bauhandwerk erblühen. 84 Mitglieder zählte der Verein.
Am 1. Januar 1961 trat eine neue Satzung in Kraft, in der die Krankengeld-Auszahlung neu geregelt wurde. Man kann erst 2 Jahre nach Eintritt in den Genuss der Zuwendung kommen. Bis zu 90 Krankentagen im Zeitraum von 7 Jahren der Mitgliedschaft wurden mit einer DM pro Krankentag vergütet. Das Sterbegeld betrug 100 DM und das Versicherungs-Eintrittsalter wurde auf 50 Lebensjahre festgesetzt. Die Amtsperiode beträgt ab diesem Zeitpunkt 2 Jahre, sodass nur noch alle 2 Jahre gewählt werden muss.
Im Jahr 1981 wurde in großem Rahmen das 375. Jahresfest gefeiert. Dieses Jubiläum nahm man zum Anlass, eine neue Fahne anzuschaffen und diese im Verlauf des Festes weihen zu lassen. Die Schirmherrschaft des Festes übernahm ein großer Gönner unseres Vereins, der Bauinnungs-Obermeister, Herr Bauingenieur Karlheinz Gottschall. Fahnenmutter war Frau Centa Lipp, Ehegattin des Ehrenmitgliedes und Bauunternehmers Albert Lipp. Beide Vereinsgönner stehen heute noch mit uns in Kontakt.
Seit 1930 verbindet uns eine tiefe Freundschaft mit dem Bruderverein "Maurer und Steinmetze Straubing", der um einige Jahre älter ist als wir. Sie standen unserer neuen Fahne Pate.
Zwischen 1995 und 2000 mussten wir unsere zwei Vereinslokale wegen Umbaumaßnahmen jeweils wechseln, weil die vorhandenen Nebenzimmer in die jeweiligen Gasträume integriert wurden. Zum Glück des Vereins fanden wir in der Gaststätte "Hans Mielich" ein neues Lokal, deren Wirtsleute dem Verein gegenüber sehr aufgeschlossen sind. Leider liegt diese neue Heimat am Rand des Stadtteiles Au.
Mit der Geldumstellung von DM auf Euro im Jahr 2001 wurden die Modalitäten der Sozialzahlungen nur dahingehend verändert, dass DM mit Euro ausgewechselt wurde und 75 Euro statt 100 DM als Sterbegeld festgeschrieben wurden. Das Eintrittsalter wurde auf 60 Jahre erhöht und die Summe an Kranken- und Sterbegeld, die von allen Mitgliedern erworben ist, wurde auf ein nur für Sozialzahlungen antastbares Konto angelegt. In der heutigen Zeit erscheint ein Verein überholt, der sich sozial, also Kranken- und Sterbegeld auszahlend betätigt. Das soziale Netz wurde nach dem Krieg in Deutschland sehr eng zum Vorteil aller angelegt.
Die Aufgabe des Vereins bestand in den vergangenen Jahrhunderten aber nicht nur in der Erfüllung der sozialen Tätigkeiten. Die Kontaktpflege mit Brudervereinen und anderen Unterstützungsvereinen spielte in der Vergangenheit und erstrecht heute eine nicht unwichtige Rolle. Wie in der Vergangenheit, so auch in der jetzigen Zeit pflegen wir die Besuche bei Vereinen, die ihre Jubilarfeier begehen. Bei diesen Teilnahmen haben wir für München und insbesondere für die Au immer Ehre und Ansehen eingelegt. Diese Tradition wollen wir fortsetzen. Dazu gehört auch alljährlich, erstmals 1954, mit der historischen Gruppe an der Mai-Kundgebung in München teilzunehmen.
Als weitere Aufgabe hat sich der Verein die Förderung des Nachwuchses des Bauhandwerks gestellt. Hier findet sich aber im Desinteresse des Nachwuchses an Erhaltung von Traditionen und der mannigfaltigen Gestaltungsmöglichkeiten der heutigen Zeit eine Grenze, die wir mit unserem Gründungsfest im Jahr 2006 lockern wollen.
Der Krankenunterstützungs- und Fachverein der Maurer München-Au trifft sich an jedem letzten Samstag eines Monats, außer August und Dezember, um 18:00 Uhr zu seiner AUFLAGE im Vereinslokal "Hans Mielich", Hans-Mielich-Straße 22, in München.
Jeder interessierte Berufskollege ist uns als Besucher, noch besser als neues Mitglied willkommen.
Vielleicht sind Sie, verehrter Leser ein Mensch, der für Traditionen steht und diese mit einer eventuellen Mitgliedschaft aufrecht zu erhalten hilft.
Neben den monatlichen AUFLAGEN findet jährlich ein Starkbierfest, ein Jahresfest, das wir mit unseren Zimmererfreunden aus der Au begehen, statt, ebenso wie die jährliche Gedenkfeier für unsere verstorbenen Vereinsmitglieder. Die Begleitung eines verstorbenen Vereinskameraden, mit Vereinsfahne Trauermusik und Kranzniederlegung sehen wir gleichfalls als Pflicht an. Eine Weihnachtsfeier und die Veranstaltung eines Vereinsausfluges und anfallende Besuche bei Jubiläumsvereinen runden unser Jahresprogramm ab.
München, im Jahr 2004
Der Festausschuss
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Auszug aus der Vereins-Chronik, die 1930 angelegt wurde.
Nähere Informationen:
Dieter Thomas, Vereins-Vorsitzender
Bussardstraße 16, 82008 Unterhaching
Tel.: 0049-89-61980









