1. Münchner "Seifenkistl-Rennen"
am Gebsattelberg
Wegen ihrer Abschüssigkeit wurde die Gebsattelstraße am 2. und 3. Oktober 1948 zur Rennpiste umfunktioniert, um hier Münchens erstes "Seifenkistenrennen" stattfinden zu lassen. Die amerikanischen Besatzer organisierten im Rahmen eines "German Youth Assistance Program" dieses Rennen, um den teilweise verwahrlosten deutschen Jugendlichen neue Perspektiven zu eröffnen und für Abwechslung zu sorgen.
Die Idee eines "Soap- Box-Derbys" entstand in Amerika, wo eine stabile Verpackungskiste für Seife, auf der die Umrisse eines Autos aufgedruckt waren, von der Jugend so begeistert angenommen wurden, dass man bereits im Jahr 1934 in Ohio das erste nationale Derby durchführen konnte.
Die meisten Fahrzeuge waren nur ein langes Holzbrett mit vier Rädern und einer beweglichen Vorderachse, die über ein Zugseil gesteuert werden konnte. Ein Aufbau täuschte eine Motorhaube vor, obwohl den Antrieb ein Freund bewerkstelligte, der auf der Geraden anschob. 159 sport- und bastelbegeisterte Münchner Schulkinder, darunter zwei Mädchen, beteiligten sich am "Soap-Box- Derby 1948".
Eine amerikanische Musikkapelle spielte auf, Polizeipräsident Pitzer und Oberbürgermeister Thomas Wimmer waren erschienen. Ein Preisrichterkollegium prämierte die vier schönsten, die drei originellsten und die vier mit den bescheidensten Mitteln erbauten Autos.
Die Derby-Teilnehmer starteten in Gruppen zu je fünf Fahrzeugen - getrennt nach Luft- und Vollgummibereifung - zum ersten Ausscheidungslauf. Nur die zwei Sieger durften am nächsten Tag dann zum Endkampf antreten. Am Gebsattelberg mit der 400 Meter langen Fahrbahn (für die mit Vollgummi bereiften Fahrzeuge 350 Meter) warteten 15.000 Zuschauer auf die Entscheidung. Nach erneuten Ausscheidungsrennen, bei denen jeweils vier Konkurrenten starteten, wurde in der Klasse der "luftbereiften Kisten" Heiner Enterle mit einem Fahrrad belohnt. Sieger in der Klasse der "Voll- und Holzbereiften" wurde der neunjährige Peter Leidl.
Oberbürgermeister Wimmer war von dem Erfolg des Seifenkistl-Rennens so begeistert, dass klar war, man würde auch im Jahr 1949 wieder ein "Soap-Box-Derby" veranstalten. Diesmal wurden in allen größeren Städten in der US-Zone Rennen gefahren. Die jeweiligen drei Sieger durften dann am Münchner Rennen auf der Theresienwiese teilnehmen.
Anno 1950 stand die Theresienwiese vom 16. Juni bis zum 16. Juli ganz im Zeichen der Seifenkisten. Eine 220 Meter lange Holzkonstruktion zog sich vom Sockel der Bavaria hinunter. Bis zu 65 Stundenkilometer erreichten die Piloten bei ihren Probeläufen. Hunderte von Buben stellten sich ein, um ihre Wägen von der Rennleitung überprüfen zu lassen. "Fegefeuer" wurde diese gefürchtete Inspektion genannt. Die Veranstaltung für die Buben begann dann am Samstag, dem 17. Juni. Michael Unterreitmeier, den die "Munich Military Post" liebevoll "flying Michael" nannte, gewann eine 6-Tage-Reise nach Italien und die Teilnahme am Drei-Zonen-Rennen in Stuttgart. Den ersten Preis der internationalen Ausscheidung mit Teilnehmern aus acht Ländern - von immerhin 1.000 Mark - konnte dabei wieder ein Münchner einkassieren.
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Von Rudolf Hartbrunner (Stadtteil-Spaziergänge und Radtouren)
Kontakt: Telefon (0171) 5 46 43 42; e-Mail: ruhar(at)t-online.de









