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Tatort - Der Fremdwohner

(Erstsendung im Ersten am 17.11.2002)

In der Au wurden schon viele Filmszenen gedreht, aber der Tatort "Der Fremdwohner" ist in dreierlei Hinsicht etwas besonderes. Er spielt in der Au und das Buch dazu schrieb Markus Fenner mit besonderer Kenntnis, denn er ist in der Au geboren und auch dort aufgewachsen. Aber nicht nur das, sondern auch einer der Hauptdarsteller, Udo Wachtveitl, der den Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr spielt, hat eine besondere Beziehung zur Au. Er wohnt nämlich seit längerer Zeit in unserem Stadtviertel. Also für beide ein "Heimspiel" in unserer Au.

Wählen Sie aus:

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Über die Produktion

Regie:
Peter Fratzscher

Darsteller:
Udo Wachtveitl
Miroslav Nemec
Michael Fitz
August Zirner

Buch:
Markus Fenner

Musik:
J.J. Gerndt

Kamera:
James Jacobs

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Die Handlung

Der Fremdwohner

Der Münchner Stadtteil Au ist der Schauplatz des Tatorts. Ein "Phantom" geht im Viertel um. Ist die geheimnisvolle Gestalt der Mörder?

In der beschaulichen Münchner Au passiert ein unerklärlicher Mord: Die begeisterte Sporttaucherin und lebenserfahrene Sekretärin Veronika Burger ist das Opfer. Nicht nur deren Freund Jean-Claude Bartl benimmt sich verdächtig, als er mit einer gefälschten Vollmacht an den Banksafe der Toten will.

Inhalt

In dem gemütlichen Münchner Stadtteil Au wird Nachbarschaft großgeschrieben. Das hat Vor- und Nachteile. Der Kurier Pieringer (August Zirner) gibt sein Päckchen bei der Nachbarin (Gabriele Dossi) ab. Kinder spielen unter den achtsamen Augen ihrer Mütter am Auer Mühlbach. Der hilfreiche Apotheker Bernie (Michael Trischan) hat noch Zeit für Ratschläge in allen Lebenslagen: Ihm entgeht gar nichts. Hier in der Au will in Zukunft auch der Münchner Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr leben. Doch mitten im Umzugschaos werden er und seine Kollegen, Kriminalhauptkommissar Ivo Batic und Oberkommissar Carlo Menzinger, zu einem Mordschauplatz in unmittelbarer Nähe gerufen.
Bei dem Opfer handelt es sich um die ledige Sekretärin Veronika Burger (Doris Wierer). Sie war zu Lebzeiten eine begeisterte Sporttaucherin. Was zunächst wie die Eifersuchtstat ihres Liebhabers Jean-Claude Bartl (Andreas Maria Schwaiger) aussieht, stellt sich im Verlauf der Ermittlungen doch als schwieriger dar. Liegt es an der Atmosphäre in der Au, wo jeder alles über jeden weiß, wo sich Klatsch und Gerüchte mischen und die absonderlichsten Blüten treiben? Nicht nur Veronikas beste Freundin Anita Mecke (Bettina Redlich) äußert ernsthafte Vermutungen über den möglichen Täter: Sie verdächtigt ein Gespenst.

Auch die Kommissare stecken bei ihrer puzzleartigen Jagd nach dem Mörder bald in einem Knäuel aus Verdächtigen fest. Was hat Burgers früherer Arbeitgeber, der korrekte Notar Wilfried Manz (Wilhelm Manske), in diesem Zusammenhang mit der flippigen Action-Fotografin Ana Gramm (Barbara Philipp) zu schaffen? Ihr Name ist ein Pseudonym, denn die attraktive Lady verfolgt ihre eigenen Interessen. Welche Rolle spielt dabei ihr muskelbepackter Lover Richie Freisinger (Thomas Darchinger)? Wieso bekommt Claudia Ruhlands kleine Tochter Lina (Lena Walcher) ihren Mund kaum noch auf? Claudia Ruhland (Claudia Lössl), von Beruf Friseurin, macht sich auf Spurensuche. Und warum besteht Anita Mecke darauf, dass das Gespenst sich regelmäßig Zutritt zu Veronika Burgers Wohnung verschafft haben soll?

Da stirbt der Notar Manz. Batic und Leitmayr finden schnell heraus, sein Selbstmord ist vorgetäuscht. Während sie unter Hochdruck in beiden Fällen die Beweislage auswerten, erhalten sie einen anonymen Brief eines Zeugen, der den Mord an Veronika Burger beobachtet haben will. Seine Detailkenntnisse des Tatorts führen die Kommissare auf die richtige Fährte. Aber auch der Mörder setzt sich auf die Spur des unerwarteten Augenzeugen. Batic und Leitmayr machen sich auf die Suche nach einem Phantom. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

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Biographie von Markus Fenner (Drehbuch)Markus FENNER

Markus Fenner kam am 5. Februar 1950 in München zur Welt und zwar mitten in der Au, genauer in der Albanistraße, dort wo Fenner jetzt seinen ersten BR-TATORT "Der Fremdwohner" angesiedelt hat und wo Regisseur Peter Fratzscher den Film auch tatsächlich gedreht hat, nämlich 50 Meter weiter von der Albani-, in der Entenbachstraße.

Markus Fenner hat in der Au die Volksschule am Mariahilfplatz und später das Wilhelm Gymnasium besucht. Er hat mit Unterbrechungen insgesamt 20 Jahre in der Au gelebt und kennt all die Eigenheiten, die er zum Teil im TATORT unterbringen konnte, aus eigener Erfahrung.

Nach dem Abitur und dem Studium der Geisteswissenschaften in Wien und München arbeitete Markus Fenner als freier Schriftsteller, schrieb hauptsächlich Erzählungen, gelegentlich auch Theaterstücke, Kabarettprogramme und Lieder-Texte für die Münchner Szene und für Aufführungen u.a. in der Alabamahalle.

Ende der 80er Jahre begann er, für das Fernsehen zu arbeiten: Von 1990 bis 1996 erlernte er als Redakteur bei PRO7 das Metier von der Pike auf, als er Konzepte entwarf und Sendungen betreute wie 1993/94 die Kabarettreihe "Einstweilige Vergnügung", mit Thomas Freitag, die jeden Monat aus dem Café Giesing gesendet wurde. Er entwickelte die siebenteilige Serie "Emmeran", bei der Thomas Freundner Regie führte. Fenner betreute redaktionell mehrere TV-Movies und 1995 den Kinofilm "Der kalte Finger" (Regie: Ralf Hüttner).

Ab 1997 arbeitete Markus Fenner als freier Dramaturg, schrieb zunächst an Drehbüchern mit, was schließlich dazu führte, dass die einstige Nebentätigkeit des Drehbuchschreibens inzwischen zu seinem Hauptberuf wurde. Zu seinen Arbeiten zählen die Drehbücher "Töchter des Zorns" (1998) und "Ländlich - Tödlich" (1999; beide Bücher wurden vom FFF Bayern gefördert). Für die ZDF-Krimireihe SOKO 5113 schrieb er 2000 die Folge "Der geborene Verlierer" (Regie: Peter Adam) und lieferte dieses Jahr das Drehbuch für eine Folge der SAT.1-Krimireihe "Der Bulle von Tölz", die 2003 gedreht wird.

Markus Fenner hat sich 1998 von der Au verabschiedet und lebt seitdem auf dem Land im Pfaffenwinkel, nicht weit von der weltberühmten Wieskirche entfernt. Derzeit arbeitet er an einem neuen BR-TATORT.

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Udo Wachtveitl (Rolle: Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr)Udo WACHTVEITL

Udo Wachtveitl ist München treu geblieben. Er kam am 21. Oktober 1958 in München-Pasing zur Welt und wohnt nun seit längerer Zeit in unserem Stadtviertel. Aufgewachsen ist er allerdings am östlichen Ende der Stadt, in München-Zamdorf. Über eine Tante bekam er eher zufällig Kontakt zur Filmbranche und übernahm erste kleine Rollen vor der Kamera.

Fortsetzung: Biographie von Udo Wachtveitl [mehr ...]

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Persönliche Ansichten zur Au von Autor Markus Fenner

Die Au wurde wegen ihrer separaten Lage auf der anderen Seite der Isar erst spät von der Stadt München eingemeindet. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass sich in dem doch ganz zentral gelegenen Viertel bis heute eine eigene, vorstädtische Mentalität gehalten hat. Ein echter Auer sagt "ich gehe in die Stadt", wenn er todesmutig den Fluss überquert, um dann in zehn Gehminuten am Marienplatz zu sein. In den engen Gassen der uralten Herbergshäuser zwischen Lilienstraße und dem düsteren Auer Mühlbach ist sogar noch das Dorf zu erahnen, das die Au einmal gewesen ist.

Anders als die amorphe Stadtmasse Münchens ist die Au begrenzt durch deutliche Landschaftsmarken. Sie beginnt am rechten Uferrand der Isar und ist dann von der Wittelsbacher- bis zur Ludwigsbrücke genau fünf Brücken lang. Auf der anderen Längs-Seite endet sie am steilen Aufschwung des ehemaligen Isar-Hochufers. Diese langgezogene Anhöhe wird, sachlich nicht sehr zutreffend, in mehrere "Berge" unterteilt, von denen einer sogar ruft, nämlich der berühmte Nockherberg mit dem Salvatorkeller. An der "Berg"-Seite drängen sich die Häuser, etwas eng und dumpf im Schatten der Anhöhe, auf der Flussseite ist es weit und grün mit dem breiten Hochwasserbett und dem alten Isararm, der am Deutschen Museum vorbeiführt.

Der riesige Museumskomplex auf der Kohleninsel ist natürlich eine Attraktion. Oder das wunderschöne Müller´sche Volksbad, obwohl das streng genommen schon paar Meter jenseits der Ludwigsbrücke liegt. Ein weiterer Glanzpunkt des Viertels ist die dreimal im Jahr stattfindende Auer Dult. Mit ihrem Tandler- und Geschirrmarkt, den antiquierten Karussellen, dem billigen Jakob und anderen Verkaufskünstlern ist sie ein echtes Labsal für Wiesn-Geschädigte. Der Rauch der Steckerlfische verdrängt dann den hier ortsüblichen Malz-Geruch, mit dem die Paulaner-Brauerei die Umgebung überzieht.

Kulturell ist in der Au, dem notorischen Arme Leute-Viertel, nie viel gelaufen, mit einer sehr markanten Ausnahme - Karl Valentin. Das einzige nicht zugereiste Münchner Genie im 20. Jahrhundert wuchs gegenüber dem Museum in der Entenbachstraße auf, die später nach einem Sauschwaben namens Zeppelin umbenannt wurde. Valentin fand damals noch im Viertel reiches Anschauungsmaterial für seine gnadenlos genauen Darstellungen der vorstädtischen Lebensmisere.

Obwohl ihr Glasscherben-Charakter längst Historie ist, zeigt die Au eine untergründige Resistenz gegen den hochglanzpolierten Zugriff des Zeitgeistes. Die Trendjäger und ihre Pilotfische, Künstler und Wirte, machten zu Beginn der Achtziger Jahre zwar einige Versuche, die Au in ein "ange-sagtes" Viertel zu verwandeln. Doch sind sie irgendwie an dem verstockten genius loci abgeprallt und dann frustriert über die Isar ins Glockenbach- und Schlachthofviertel weitergehüpft.

Was von diesen Versuchen überlebte, wurde von der Auer Mentalität überwältigt. So das einstige "Noodles", damals das einzige wirkliche In-Lokal des Viertels. Es ist inzwischen ein ordentliches, neubayerisches Auer Wirtshaus und heißt denn auch schlicht "Wirtshaus in der Au".

Die "Museums-Lichtspiele", vor zwanzig Jahren noch das "verrückteste Kino Deutschlands", machen inzwischen ihrem uncoolen Namen wieder alle Ehre. Man spielt zwar immer noch die "Rocky Horror Picture Show", doch ist das Haus längst ein gemütliches Pantoffelkino geworden ...

Dieser stille Kampf ist natürlich nicht abgeschlossen und wird wohl mit dem bekannten Ergebnis enden. Hier ein französisches Fisch-Lokal, dort zwei neue Galerien, die vielleicht nicht mal pleite gehen werden. Und die Mietpreise sind auch schon auf Bogenhausener Höhe. Doch vorläufig verharrt die Au noch in dickfelligem Anti-Chic und konserviert ihre schläfrigen Reize, die nur auf den zweiten Blick erkennbar sind.

Ein sprechendes Beispiel für dieses Beharrungsvermögen findet man in einem kleinen Schreibwarenladen in der Ohlmüllerstraße. Er wird von "Katsche" Schwarzenbeck geführt, dem knorrigen Vorstopper aus der großen Zeit des FC Bayern. Als der Mann, der an der Seite Beckenbauers Welt- und Europameister wurde, schließlich die Fußballschuhe an den Nagel hängte, tat er das, was schon vor seiner Karriere ausgemachte Sache gewesen war: Er übernahm den Laden seiner Tante. Man wird seinen prominenten Namen dort vergeblich suchen. Über dem Schaufenster steht immer noch: "Schreibwaren Nitzinger".

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Literaturhinweis:
Texte übernommen von der BR-Pressestelle
Telefon (089) 5900-2108
Fax (089) 5900-1388
E-Mail: Josy.Henkel@brnet.de

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