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Das Stadtviertel Au - eine Welt für sich
Die Au umfasst ein Areal von 158 ha (1.580.000 m2 = 1,58 km2) und gliedert sich in die untere und obere Au. Sie liegt auf der östlichen Flussniederung und auf der Isarhochterrasse. Die Hangkante ist ca. 15 m hoch.
Ehedem Herbergenviertel der Handwerker und Tagelöhner, entwickelte sich die Au in ihrer geschichtlichen Entwicklung zur Arbeitervorstadt.
Eine Besonderheit des Stadtbezirks waren die zahlreichen, hier ansässigen Brauereien, die an der Terrassenkante ideale Standorte für Tiefbrunnen und Lagerkeller vorfanden. Von diesen Brauereien produziert heute nur noch die Paulaner-Brauerei in der Au.
Durch die schweren Bombenangriffe von 1943 bis 1945 wurden annähernd 80 % der Häuser in der Au zerstört. Dabei starben 64 Auer Bürger und 345 sind im Krieg gefallen.
Heute kann man die ehemalige Vorstadt Au im positiven Sinn als City-Randgebiet bezeichnen, das sich mit den alljährlichen Auer Dulten und dem Salvatoranstich, ein Stück traditioneller Alltagskultur erhalten hat.
Am bekanntesten dürften wohl die Auer Dulten (Jahrmärkte) sein, die jedes Jahr im Mai, Juli und Oktober stattfinden und jeweils 9 Tage dauern.
Die Maidult beginnt am Samstag vor dem 1. Mai, die Jakobi- oder Sommerdult beginnt ab dem Samstag nach Jakobi und die Herbst- oder Kirchweihdult beginnt am Kirchweihsamstag.
Am 13. April 1795 war Kurfürst Karl Theodor mit seiner Gemahlin beim großen Ordensfest der Paulaner. Die Gunst der Stunde nützend, traten die Offiziere der Auer Bürgerwehr vor das frisch getraute Herrscherpaar und erbaten die Abhaltung zweier Dulten in der Au. Ein Jahr später wurden die Auer Dulten offiziell genehmigt. 1905 wurde dann auch die Jakobidult vom Haidhauser Johannisplatz, als dritte Dult, in die Au verlegt.
Christian Ude, unser Oberbürgermeister, auf der "Auer Dult".
Der Auer Mühlbach mit dem heutigen Verlauf (Ableitung links von der Isar bei Harlaching) entstand unter Herzog Wilhelm V. Ende des 16. Jahrhunderts. Bereits 957 wurde ein Auer Mühlbach zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Der Bach wurde zur Abwasserableitung benutzt und diente als Energielieferant für Handwerksbetriebe. Ein Beispiel dafür war die von Carl von Linde erfundene Eismaschine zur Kühlung des Paulaner Bieres, die auch heute noch funktionstüchtig ist.
Heutzutage entdeckt man zunehmend den Freizeitwert des Baches. Im Jahr 2000 wurde Am Neudeck begonnen die Überbauung des Baches wieder zurück zu bauen. Die Freigabe der Wege für die Auer BürgerInnen erfolgte aber erst ab Mitte 2002.

Am alten Auer Mühlbach (Quellenstraße um 1910)
Was nicht allen bekannt sein dürfte, die Justizvollzugsanstalt München hatte auch einen Ableger in der Au. Die Frauenabteilung Am Neudeck 10 und die Jugendarrestanstalt Am Neudeck 12 waren in der Au beheimatet. Beide Teilanstalten befanden sich in einem Gebäude, waren aber getrennt untergebracht.
An gleicher Stelle errichteten 1627 Paulanermönche ein Kloster. Sie wirkten 172 Jahre lang als Seelsorger und Helfer der Armen. Als das Kloster 1799 aufgelassen wurde, nutzte man es noch von 1800 bis 1801 als Feldspital, bevor es zum Zuchthaus München-Au avancierte. Am 01. Juli 1901 erfolgte dann die Verlegung des Zuchthauses nach Straubing. Die alten Gebäude wurden abgebrochen und in den Jahren 1902 bis 1904 entstand das jetzige, lang gestreckte neoklassizistische Bauwerk.
Von den insgesamt 1.503 Münchner Haftplätzen, befanden sich 124 Haftplätze in diesem Gebäudekomplex (72 in der Frauenabteilung und 52 in der Jugendarrestanstalt; diese teilten sich wiederum in 43 männliche und 9 weibliche Arrestantenplätze).
In der Frauenabteilung wurde in der Regel die Abschiebehaft, die Untersuchungshaft, sowie eine Kurzstrafhaft im Erstvollzug verbüßt. Der Jugendarrest gliederte sich in Freizeit- und Kurzarrest bis zu 2 Tagen, sowie Kurzarrest von mehr als 2 Tagen und Dauerarrest.
2006 gab es dann den Startschuss für einen Neubau auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim. Das Bauvorhaben – bestehend aus dem Neubau einer Frauenabteilung und einer
Jugendarrestanstalt - wurde auf dem ehemaligen Gelände der US Armee in der Schwarzenbergstraße 14 errichtet. Bis Anfang 2009 entstanden 220 neue Haftplätze, davon 150 in der
Frauenabteilung, zehn Zellen in der Mutter-Kind-Abteilung und 60 im Jugendarrest. Der Neubau dient nun als Ersatz für die Einrichtung in unserer Au Am Neudeck 10-12.
Der Freistaat Bayern beabsichtigt nun das staatseigene Anwesen zum Verkauf auszuschreiben. Die weitere Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes ist deshalb noch ungewiss.

München ist - als kreisfreie Landeshauptstadt - im Nordwesten von den Landkreisen Dachau und Fürstenfeldbruck und im Norden, Osten, Süden und Südwesten vom Landkreis München umschlossen. Nicht nur das ist ungewöhnlich, sondern eine Besonderheit ist es auch, dass sich das Landratsamt des Landkreises München auf "fremden Boden" befindet, nämlich in unserem Münchner Bezirksteil Au und zwar zwischen dem Mariahilfplatz und der Ohlmüllerstraße (Landratsamt München, Mariahilfplatz 17, 81541 München).
Das heutige Wahrzeichen der Au ist die neugotische Mariahilfkirche. Sie wurde in den Jahren 1831-1839 erbaut (Architekt: Joseph Daniel Ohlmüller). Die Glasgemäldefenster wurden in der königlichen Porzellanmanufaktur im Nazarener Stil hergestellt. Sie dienten als Vorbild für die Fenster des Kölner Domes.
Die Kirche wurde im 2. Weltkrieg zerstört und 1953 vollständig neu aufgebaut. 1971 musste die Turmspitze wegen Einsturzgefahr abgetragen werden, anschließend wurde nur ein Notdach errichtet. Daraufhin hat die Auer Bevölkerung Geld gesammelt. Seit 1981 ziert die Mariahilfkirche endlich wieder eine Turmspitze mit vergoldetem Kreuz. Die Gesamtkosten dafür betrugen 1,79 Millionen Euro.
Die Mariahilfkirche um 1839, 1944, 1972 und 2002
Zur Fastenzeit findet jährlich *) im Paulanerfestsaal der Gaststätte Paulaner am Nockherberg der Starkbieranstich mit dem traditionellen Politikerderblecken statt.
Am darauf folgenden Freitag ist dann das "normale" Volk willkommen und darf 16 Tage lang "Münchens 5. Jahreszeit", die Starkbierzeit (... immer die 3. und 4. Woche vor Ostern), auf dem Nockherberg genießen.
Durch einen Großbrand wurde am 27. November 1999 das Traditionslokal am Nockherberg (damals hieß es noch Salvatorkeller) bis auf die Grundmauern zerstört. Von 2001 bis 2002 fand deshalb die weit über München hinaus beliebte Veranstaltung in einem Provisorium auf dem Mariahilfplatz statt.
Pläne für eine Wiedererrichtung wurden 2001 der Bevölkerung vorgestellt und die Bauarbeiten im März 2003 abgeschlossen. Die Neueröffnung des "Paulaner am Nockherberg" sollte mit dem Starkbieranstich am 20.03.2003 erfolgen, der wurde aber wegen dem beginnenden Irak-Krieg abgesagt.
Am 11. März 2004, um 11:30 Uhr, war es dann endlich so weit, zum ersten Mal beginnt die Starkbierprobe mit dem Politiker-Derblecken im neuen Saal des "Paulaner am Nockherberg", mit Bruno Jonas als Festredner, dem neuen "Bruder Barnabas".
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*) Der jährliche Salvatoranstich fand immer am 3. Donnerstag nach dem Aschermittwoch statt. Das galt zumindest bis 2008. Seit 2009 macht anscheinend das Bayerische Fersehen die Termine. Damit der Anstich live im Abendprogramm übertragen werden kann, ist seither der Salvatoranstich am vorhergehenden Mittwoch ab 19:00 Uhr. Der Donnerstag ist jetzt für "Aufräumungsarbeiten" reserviert und ab Freitag ist dann, wie gewohnt, das "normale" Volk willkommen.
Eine Reihe von schulischen Einrichtungen ist in der Au beheimatet, die teilweise für gesamt München, als auch für das Umland, von Bedeutung sind:
- Grundschule
- Volksschule
- Berufsfachschule
- für das Bäcker- und Konditorenhandwerk, Simon-Knoll-Platz 3
- für Hauswirtschaft der Armen Schulschwestern v.U.L.Fr., Mariahilfpl. 14
- für Kommunikations-Design und Innenarchitektur, Tassiloplatz 7
- Fachschule / Fachakademie
- für Hauswirtschaft der Armen Schulschwestern v.U.L.Fr., Mariahilfpl. 14
- für Sozialpädagogik der Armen Schulschwestern v.U.L.Fr., Mariahilfpl. 14
- Meisterschule
- für das Konditorenhandwerk, Simon-Knoll-Platz 3
- Mädchenrealschule
- der Erzdiözese München und Freising, Mariahilfplatz 14
- Gymnasium
- Maria-Theresia-Gymnasium (MTG), Regerplatz 1
- Pestalozzi-Gymnasium (PEG), Eduard-Schmid-Straße 11
- Jugendwohnheim
- Salesianer Don Boscos, St. Wolfgangs Platz
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