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SPD Bundestagsfraktion

Kampf gegen Rechtsterrorismus ist Daueraufgabe für alle Demokraten

Ein Bundestags-Untersuchungsausschuss zur Neonazi-Mordserie soll zusammen mit einer Bund-Länder-Kommission die Versäumnisse der Sicherheitsbehördern aufarbeiten und für umfassende Aufklärung sorgen.

Die schreckliche Mordserie der Zwickauer Terrorzelle ist ein gravierender Einschnitt in der Geschichte der Bundesrepublik. Der Kampf gegen Rechtsextremismus ist mehr denn je eine zentrale Aufgabe aller demokratischen Kräfte. Der Bundestag hat deshalb die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses zur Neonazi-Mordserie beschlossen. Es sei der 39. Untersuchungsausschuss in der Geschichte des Bundestages, sagt SPD-Fraktionsmitglied Sebastian Edathy, den der Untersuchungsausschuss zu seinem Vorsitzenden gewählt hat. „Aber es ist der erste, der auf gemeinsames Bestreben aller Fraktionen eingesetzt wird.“

Der Untersuchungsausschuss soll die Hintergründe der Rechtsterroristischen Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ genauso untersuchen wie die Versäumnisse der Sicherheitsbehörden. Das Ziel seien konkrete Handlungsempfehlungen, sagt Edathy, nicht nur, was die Bekämpfung von Rechtsextremismus angehe, sondern auch die Prävention. „Ich bin ein großer Freund von Ausstiegsprogrammen, aber noch besser finde ich Programme, die den Einstieg verhindern.“

Präventive Maßnahmen gefordert

Der Ausschuss sei kein Kampfinstrument der Opposition, betont der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion Thomas Oppermann. Vor allem der Konsens der Fraktionen sei eine wichtige Voraussetzung für den Ausschuss.

Der Untersuchungsausschuss ist aus Sicht der SPD-Fraktion der richtige Schritt hin zu einer lückenlosen und schonungslosen Aufklärung. „Null Toleranz“ gegen Neonazis und ihre Helfershelfer ist das Gebot der Stunde. „Wir wollen die umfassende Aufklärung“, erklärt Oppermann. Dazu gehöre auch eine Intelligente Verknüpfung zwischen dem Untersuchungsausschuss und einer Bund-Länder-Ermittlungsgruppe. Für die SPD-Fraktion ist klar: Aus den Ergebnissen der Untersuchung müssen die nötigen Konsequenzen gezogen werden. Das schließt ausdrücklich organisatorische oder gesetzgeberische Konsequenzen im Rahmen des Rechtsstaates mit ein.

Bündnis der Zuständigen und Anständigen

Zudem fordern die Sozialdemokraten in einem Positionspapier eine Reihe von präventiven Maßnahmen. Dazu gehöre es, den sozialen Zusammenhalt in den Kommunen zu stärken und die Städte und Gemeinden finanziell gut auszustatten, so dass sie Kultur, Sport, Jugendarbeit und Sozialarbeit vorhalten können. Es gelte, Bildung als öffentliches Gut zu stärken und alles dafür zu tun, um allen Kindern und Jugendlichen gleiche Chancen auf beste Bildung zu garantieren. „Die Politik muss ein Aufwachsen von jungen Menschen in diesem Land ermöglichen, in dem es nicht die Rechten sind, die die Freizeitangebote machen,“ sagt Sebastian Edathy.

In ihrem Positionspapier spricht sich die SPD-Fraktion zudem für ein breites Bündnis der Zuständigen und Anständigen aus. „Der Staat und seine Organe, Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und Vereine - schlicht: alle Meinungsträger der Zivilgesellschaft müssen die Bekämpfung des Rechtsextremismus ganz zu ihrer Sache machen.“ Die unzulässige Vermischung von Links-, Rechts- und islamistischem Extremismus müsse beendet werden.

Helga SCHMITT-BUSSINGER

Neonazi-Morde: SPD fordert Sonderermittler

02.02.2012 - Fünf der zehn rechtsterroristischen Morde an Menschen mit Migrationshintergrund, die Deutschland erschüttern, fanden in Bayern statt. Einen Beweis, dass die Mordserie einen rechtsterroristischen Hintergrund hat, liegt erst seit 2011 vor. Aus Zeitungsberichten geht hervor, dass die bayerischen Ermittlungsbehörden offenbar bereits früher den Verdacht gehabt haben, dass Neonazis hinter der Mordserie stecken könnten. Die SPD im Bayerischen Landtag fordert daher mit einem aktuellen Dringlichkeitsantrag die sofortige Einsetzung eines Sonderermittlers zur Aufklärung der Morde und der Rolle des Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV). Dieser soll dem Landtag über seine Arbeitsergebnisse berichten. „Diese Morde haben uns alle erschüttert und der rechtsterroristische Hintergrund beschämt uns zutiefst. Wir müssen daher alles dafür tun, die Hintergründe bis ins Detail aufzuklären“, stellt Helga Schmitt-Bussinger, Sprecherin für kommunale Fragen und innere Sicherheit, fest.

Folgende Fragen sollen aus Sicht der SPD geklärt werden:
  1. Ist es zutreffend, dass das Landesamt für Verfassungsschutz von der ermittelnden SoKo „Bosporus“ gebeten wurde, einen möglicherweise vorliegenden rechtsextremistischen Hintergrund der Morde mit beim LfV vorliegenden Erkenntnissen oder Informationen abzugleichen?
  2. Wurde das LfV von der Soko gebeten, auch die Verfassungsschutzbehörden in den anderen Bundesländern einzuschalten und falls ja, was hat das LfV daraufhin unternommen?
  3. Lagen dem LfV eigene Erkenntnisse oder Hinweise über einen möglichen rechtsextremistischen Hintergrund der fünf Morde in Bayern und ggf. der Morde in den anderen Bundesländern vor und falls ja, wurden diese Informationen an die ermittelnde Sonderkommission weitergeben?
  4. Gab es im Zusammenhang mit den Morden in Bayern Kontakte des LfV zum Bundesamt für Verfassungsschutz oder den Landesämtern für Verfassungsschutz in den Bundesländern, in denen die weiteren Morde verübt wurden?
  5. Wusste das LfV, dass der Verfassungsschutz in Thüringen den „Thüringer Heimatschutz“ (THS), in dem auch Rechtsextremisten aus Nordbayern agierten, seit seinem Auftreten 1997 unter diesem Namen bis zu dem Zeitpunkt, in dem 2002 keine Aktivitäten mehr festgestellt wurden, beobachtete?
  6. Lagen dem LfV selbst Informationen über den THS vor?
  7. Gab es einen Informationsaustausch der Verfassungsschutzämter der Länder und des Bundes über diese rechtsextremistische Organisation und auch über weitere Kameradschaften in Thüringen und anderswo?
  8. Waren dem LfV Verbindungen des THS mit Kameradschaften und Netzwerken in Bayern bekannt?
  9. Lagen dem LfV Informationen darüber vor, ob und in welchem Umfang der Aufbau und die Organisation rechtsextremistischer Gruppen und Parteien in Thüringen und in anderen Bundesländern und von welchen Personen aus Bayern gesteuert oder unterstützt wurden?
Integration und Rechtsextremismus
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